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Seite 1 von 5  Von Caught in the Crack zu L’avantgarde: Die Anti-Alles-Aktion schlägt zurück - und wurde damit wieder zum Demo des Monats in der JUICE. Aber was wissen die Jungs wirklich über Old Skool Rap vor 2005, und warum haten sie die Wack-MCs der Next-Generation-Rubrik? Waren sie Ghostwriter für "Feuchtgebiete" und den Koran? Für sie steht fest: Die Hip Hop Szene braucht mehr Gewalt - und weniger Azad.
Autor: Philipp Killmann Review: L´avantgarde - Gute Sprüche 05-07 Dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, kann man nicht gerade behaupten. Denn wer würde hierzulande schon von einem „Wald“ von Rappern sprechen, der dem lauter werdenden Ruf nach MCs mit Skills UND Inhalt (den, den wir meinen) auch nur ansatzweise gerecht wird?
Vielmehr sieht man offenbar den wohl gedeihenden und reiche Früchte versprechenden Jungbaum vor lauter (Ur-?)Wald nicht. Wie sonst ist zu erklären, dass die Rapper und Macher von der Anti-Alles-Aktion seit dreieinhalb Jahren von der "Szene" mehr oder weniger ignoriert werden – mal abgesehen von den durchweg positiven Reviews in der Next Generation-Rubrik der Juice, die nicht zuletzt in der aktuellen Ausgabe (#110) das jüngste Machwerk aus dem Hause Anti-Alles, "Gute Sprüche 05-07" von L’avantgarde, zum "Demo des Monats" gekürt hat. Mangelt es dem Ruf nach Inhalt (Holler!) womöglich an Aufrichtigkeit?
Und wie ehrlich meinen es die vermeintlichen conscious Künstler von L’avantgarde wirklich mit ihrem alternativ anmutenden Tun unter der Überschrift „Anti-Alles“? Kein Stück - könnte man annehmen, führte man sich "Gute Sprüche" oberflächlich zu Gemüte. Und würde damit auch nicht völlig verkehrt liegen. Doch neben all den battle-lastigen, aber nicht minder bilderreichen und wortwitzigen Raps über Rap, wird ganz beiläufig auch mal Kritik geübt, wie man es von Koljah zum Beispiel an der Seite von Panik Panzer ("Mut zur Blamage") oder von NMZS im Alleingang ("Go Homo") eben kennt. Aber Kritik ist bei L’avantgarde tatsächlich nebensächlich. Hauptsächlich geht es ihnen hier um "gute Sprüche". Und die gibt es auch im folgenden Interview zur Genüge.
WildstyleMag.com: Wie seid Ihr auf den Crewnamen "L’avantgarde" gekommen? Für was kämpft Ihr vor?
Tai Phun: Ich weiß noch, wir waren an einer Bushaltestelle, als der Name beschlossen wurde.
Koljah: Was heißt L’avantgarde eigentlich? Ich kann leider kein Französisch.
NMZS: Ich erst recht nicht. Klingt aber super!
WildstyleMag.com: Zumindest ein paar von Euch waren vor Anti-Alles-Aktion (AAA) in dem linken Netzwerk Hip-Hop Partisan (HHP) involviert. Soweit ich weiß, wurde AAA auch gegründet, weil Teile von Euch mit HHP nicht mehr zufrieden waren und etwas Neues machen wollten. Was hat bei HHP nicht mehr gestimmt und was ist bei AAA anders?
Koljah: HHP war ein politisches Projekt, das gescheitert ist. Anfangs gab es den Anspruch, eine Gegenbewegung zum Deutschrap-Mainstream aufzubauen, weil der uns alle angekotzt hat. Das ist aus verschiedenen Gründen in die Hose gegangen – nicht zuletzt, weil es einfach ne naive Idee war. Na ja, den Versuch war’s vielleicht wert… Heutzutage gibt es zwar noch eine Handvoll weltfremder Spinner, die sich den Namen HHP gekrallt haben und ein bisschen Leichenfledderei betreiben, aber das hat mit dem eigentlichen HHP-Projekt nichts mehr zu tun und stagniert zu Recht in der Bedeutungslosigkeit vor sich hin.
Als wir dann AAA gegründet haben, war das erstmal sowas wie ein Zusammenschluss der besten bzw. einzigen guten Rapper von HHP. Wir wollten mit AAA ganz bewusst einfach nur noch Rap machen, das ist also eine Rap-Crew und keine politische Organisation. Eine Rap-Crew, deren Mitglieder in ganz Deutschland verstreut leben, das gibt’s so ja gar nicht so oft, oder?! Ist ja auch egal, jedenfalls wurde mit AAA unsere Musik natürlich auch immer besser, was unter anderem daran liegen dürfte, dass wir das platte Parolengedresche mittlerweile anderen überlassen.
NMZS: Ich war nie bei HHP und das ist auch gut so.
WildstyleMag.com: Ihr hattet im Rahmen einer Demonstration gerade einen Auftritt in Berlin. Worum ging’s bei der Demo und wie war die Show?
NMZS: Die Demo trug den gar nicht mal so unwitzigen Namen „de.fence“ und es ging da um Kritik an deutscher Abschiebe- und Asylpolitik. Allerdings haben wir von der Demo selbst nichts mehr mitbekommen…
Koljah: …und das war auch gut so…
NMZS: …da wir selbst erst kurz vor unserem Auftritt, der am Oranienplatz in Kreuzberg stattfand, da waren. Die Show hat auf jeden Fall Spaß gemacht, super Wetter, gute Bühne, Freibier. Gelegentliches menschliches oder technisches Versagen wussten wir wie immer gekonnt zu überspielen und der Auftritt dieser alten Säcke von Anarchist Academy nach uns war auch ganz nett.
Koljah: Konkret war der Anlass der ganzen Sache jedenfalls, dass die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl nun 15 Jahre her ist. Wir haben, wie gesagt, auch nicht auf der Demo gespielt, so was ist immer eher Absturz, sondern bei einem Konzert, das im Anschluss an die Demo stattfand. Grundsätzlich ist es ehrlich gesagt aber auch irrelevant worum`s ging, da Gig-Anfragen aus Berlin die einzigen sind, die wir grundsätzlich immer annehmen, egal was für Gigs das sind.
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